Als Ersatz für das im November 1910 verloren gegangene
Fünfmastvollschiff „Preussen“ wurde am
02. März 1911 bei der Hamburger Werft Blohm & Voss der Kiel für die
Viermastbark „Passat“ gelegt. Am 20. Sept. fand der Stapellauf statt und am 25.
November 1911 wurde sie seefertig ausgerüstet abgeliefert. Der Preis betrug
680.000,-- Mark.
Patin war Frau Gertrud Grau, und der Taufspruch lautete:
„Der Sturm bedroht in der Nordsee den Segler. Dichter Nebel
im verkehrsreichen Kanal bereitet Gefahr. Des Ozeans ganze Wucht trifft ihn in
der Biscaya. Erst wenn der Wendekreis überschritten, zieht mit den vom Passat
geschwellten Segeln das Schiff in schnellem Lauf seinem Ziele zu. Mögen
günstige Winde Dich, Du stolzes Schiff, stets schnell und sicher in den
schützenden Hafen geleiten.
Diesem Wunsche soll Dein Name Ausdruck geben.
Ich taufe Dich „Passat“.
Unter dem Kommando des Kapitäns Wendler trat das Schiff im
Januar 1912 seine erste Reise nach Chile an. Sie erwies sich als vorzüglicher
Segler, und auf der zweiten Reise erreichte die „Passat“ nach 73 Tagen, von der
Elbe kommend, Valparaiso. Auf der fünften Reise wurde die „Passat“ vom ersten
Weltkrieg überrascht und verblieb fast sieben Jahre, bis zum 27.05.1921, im Hafen
von Iquique. Die Reise unter Kapitän Pieper, führte von Chile nach Marseille.
Dort wurde die Ladung, 4.700 to Salpeter, gelöscht und das Schiff aufgrund des
verlorenen Krieges an Frankreich ausgeliefert.
Die Franzosen hatten keine Verwendung für das Schiff und
stellten es zum Verkauf. Am 22.12.1921 kaufte die Reederei Laeisz ihr eigenes
Schiff für 13.000 Pfund zurück. Am 03.01.1922 wurde die Passat wieder offiziell
übernommen. Zur Besatzung gehörten zwei spätere Kapitäne, Herrmann Heuer, 1952
Kapitän der „Passat“, und Paul Greiff, 1952 Kapitän der „Pamir“. Die „Passat“
wurde wieder in der Salpeterfahrt eingesetzt und war hinsichtlich der
Rentabilität von keinem Dampfer zu schlagen.
67 Tage vom englischen Kanal nach Coral und zurück in 75
Tagen mit 4.700 to Salpeter sind stolze Zeiten. Diese Reise fand 1927 statt.
Am 28.08.1928 kollidierte die „Passat“, unter vollen Segeln
im Kanal laufend, mit dem französischen Dampfer „Daphne“ auf der Höhe von
Dungeness. Nachdem die Besatzung des Dampfers über den Klüverbaum auf die „Passat“
übergestiegen war, ließ Kapitän Eilert Müller backbrassen und löste sich so aus
der „Daphne“, die dann mit 2.000 to Erz in den Fluten versank. In der Werft in
Rotterdam wurden die Schäden an der „Passat“ repariert, und schon am 02.09.1928
konnte sie ihre Reise nach Chile fortsetzen.
8 Monate später kam es zu einer weiteren Kollision im
englischen Kanal. Am 25.06.1929, wieder lief die „Passat“ unter vollen Segeln
durch den Kanal, rammte der englische Dampfer „British Governor“ die „Passat“
am Backbord Bug.
Dieses Mal erlitt die „Passat“ größere Beschädigungen, doch
es gelang, das Schiff nach Rotterdam zurückzubringen, und bereits am 18.07.1929
konnte sie wieder in See gehen. Bis 1932 verblieb sie unter der Hausflagge der
Reederei Laeisz und stellte ihren Ruf als schneller Segler unter Beweis.
Die schwere Weltwirtschaftskrise zwang Laeisz, die berühmten
Flying-P-Liner zu verkaufen. Nach der „Parma“ und „Pamir“ ging 1932 die
„Passat“ in die Hände des finnischen Reeders Gustaf Erikson über. Der Reederei
Laeisz verblieben nur noch die „Priwall“ und die „Padua“.
Bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges sollten die
„Passat“ noch 7 Reisen nach Australien durchführen. Alle diese Reisen verliefen
ohne größere Havarien zum Wohle der Reederei. Die außerordentliche
Seetüchtigkeit und seglerische Leistungsfähigkeit konnte sie auch unter der
Kontorflagge von Eriksen unter Beweis stellen.
Am 24.08.1939 ging die Viermastbark auf der geschützten
Reede ihres Heimathafens Mariehamn vor Anker. 1944 wurde sie nach Stockholm
geschleppt, um dort bis 1947 als Getreidespeicher zu dienen. Danach sollte sie
nur noch eine Reise unter finnischer Flagge machen, die unter einem sehr
schlechten Stern stand.
Mit dem Tode des bedeutenden Mannes Gustav Eriksen ging die
Hoffnung, mit der finnischen Reederei die Tradition der frachttragenden
Tiefwassersegler lebendig zu halten, zu Ende. Die nach dem zweiten Weltkrieg
verbliebenen 3 Segler, in der Blütezeit waren es 21, wurden verkauft. Die
„Pamir“ und „Passat“ wurden als Lagerräume an die englische Regierung
verchartert. 1951 lief die Charter ab, und beide Schiffe sollten in Antwerpen
abgewrackt werden.
Dies verhinderte ein Mann, der sich mit Leidenschaft für die
großen Segelschiffe einsetzte und darin seine Lebensaufgabe sah, Kapitän Helmut
Grubbe. Kapitän Grubbe gelang es, den Reeder Heinz Schliewen von seiner Idee zu
überzeugen, der dann den Ankauf der „Pamir“ und „Passat“ bestätigte.
Am 20.06.1951 traf die „Passat“ unter Kapitän Grubbe in
Travemünde ein. Kurze Zeit später wurde das Schiff bei den Howaldtwerken in
Kiel gründlich überholt und modernisiert. Aus Gründen der Kostenersparnis,
Schlepper waren teuer, wurde ein Hilfsmotor, ehemaliger U-Boots-Diesel von 1000
PS, eingebaut, und am 12.02.1952 konnte die „Passat“ als frachttragendes
Segelschulschiff zu ihrer ersten Reise, wieder unter deutscher Flagge, von
Brake nach Südamerika auslaufen.
Die Führung hatte Kapitän Hermann Heuer, 54 Kadetten
befanden sich an Bord. Die zweite Reise unter Kapitän Günther ging wieder an
die Ostküste Südamerikas und endete im Dezember 1952 in Aarhus/Dänemark. Das
war auch gleichzeitig wieder einmal das Ende; die „Passat“ wurde im Februar
1953 in Travemünde aufgelegt. Die Reederei Schliewen hatte Konkurs gemacht;
Kapitän Grubbe wurde als Treuhänder für die „Pamir“ und „Passat“ eingesetzt.
Anfang 1957 übernahm eine von deutschen Reedern gegründete
Stiftung mit dem Namen „Stiftung Pamir und Passat“ die beiden Schiffe, die nun
unter der Kontorflagge von Zerssen & Co. fuhren.
Unter dieser Flagge machte die „Passat“ fünf glückliche
Reisen nach Argentinien und Uruguay, bis sie nach dem Untergang der „Pamir“
1958 erneut aufgelegt und dann 1959 endgültig außer Dienst gestellt wurde.
Das ist das Ende der frachtfahrenden Segelschulschiffe. Noch
im gleichen Jahr wird die Viermastbark „Passat“ an die Hansestadt Lübeck
verkauft, und seitdem liegt der stolze Tiefwassersegler als letzter Zeuge des
Segelschiffszeitalters in Travemünde.
Hier können Sie ein PDF.Dokument öffnen, in dem eine Reise mit der Passat von Hamburg nach Valparaiso 1931 lebendig geschildert wird.
Der Bericht und die Zusatzinformationen wurden zusammengestellt von Maria Möring.
Reisebericht aufrufen|
Die PASSAT gewann 3 Mal das inoffizielle Rennen der Weizenfahrer Australien/ England. Sie fuhr zu dieser Zeit unter finnischer Flagge mit Heimathafen Mariehamn auf den Alandinseln, wo heute noch die POMMERN als Museumsschiff vor Anker liegt. |
Der letzte grosse Segelfrachtschiffreeder war Kapitän Gustaf Erikson, der in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts noch etwa 20 Segelschiffe in Fahrt hatte, darunter viele Flying-P-Liner wie die PASSAT... |
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